Orlando 23.12 bis 30.12

Warum muss ein Urlaub eigentlich immer zeitlich limitiert sein!?... Jedes Mal ist es dasselbe - in der ersten Hälfte arrangiert man sich noch sehr gelassen mit dem drohenden Ende der Reise: "Hey - erst eine Woche ist vorbei - drei warten noch - da muss ich mir doch noch keine Gedanken um das Ende machen..."... Aber wenn der Gipfel erklommen und die Hälfte des Urlaubs unwiederbringlich vorüber ist, dann stellt sich Abend für Abend mit steigender Intensität das Gefühl ein: "Verdammt! Jetzt ist schon mehr als die Hälfte vorbei..."... Bei Stephie und mir ist dieses traurige Gefühl besonders ausgeprägt, da wir das gegensätzliche Gefühl von vielen Urlaubern nicht kennen - dieses "ach, schön war es hier - aber jetzt wird es auch Zeit heimzukommen"... Nein, in unserer bald 25jährigen Reisegeschichte hatten wir noch nie das Bedürfnis wieder nach Hause zu kommen... Die Urlaubshalbzeit ereilte uns unweigerlich in Orlando... Sechs Mal schon waren wir in Florida und jedes Mal war Orlando Teil der Reiseroute. Mit einem halben Dutzend Wasser-Parks und sieben Freizeitparks, jeder einzelne davon für sich größer und vor allem spektakulärer als selbst Deutschlands Nr. 1 - der Europa-Park, ist Orlando ohne Frage das Weltzentrum der Vergnügungsparks. Bisher standen für uns auch jedes Mal einige von ihnen auf dem Programm, aber jetzt ohne Mitja haben wir auf dieses Vergnügen verzichtet - und uns so gewiss eine Menge Stress und Schlangestehen erspart... Nein, für uns zählten in der diesjährigen Orlando-Woche eher einfach die Weihnachtstage und... Shopping! Denn mit gleich vier großen Outlet-Zentren und zahlreichen normalen Malls ist Orlando auch in Sachen Shopping weltweit nur schwer zu toppen! Aber zunächst zurück zur Weihnachtszeit... Am 23.12 haben wir uns im kleinen Mad Cow-Varieté-Theater in Downtown Orlando zum dritten Mal einen Abend mit Weihnachtsliedern gegönnt. Und zum dritten Mal hieß es am Ende "und jetzt alle!" - und nicht nur brav, sondern regelrecht begeistert, sangen wieder alle im Saal mit... Kaum vorstellbar bei uns... Als Hotel hatten wir uns ganz bewusst das Marriott Residence Inn im Norden von Orlando ausgesucht, da man dort zu einem erschwinglichen Preis ein Zimmer mit vollausgestatteter Küche und Kamin buchen konnte! Die Beschaffung der Lebensmittel für unser Weihnachtsessen war allerdings gar nicht so einfach... Am Abend des 23.12 glich der gigantische Parkplatz des Wal-Mart einem Tollhaus - keine Chance auf einen Parkplatz am frühen Abend... Ein paar Sachen konnten wir dann wenigstens schon einmal bei Aldi besorgen - ja, richtig - bei Aldi! Gibt es hier jetzt auch! Allerdings offenkundig wenig erfolgreich - denn während der Wal-Mart aus allen Nähten zu platzen drohte, war die Zahl der Einkäufer im Aldi-Markt (mit uns vielleicht 8 Leutchen) äußerst überschaubar. Warum das so ist, ließ sich recht schnell ausmachen. Ich denke, wenn man am anderen Ende der Welt expandieren will, dann muss man sich ein wenig dem Ort der Expansion anpassen, aber Aldi versucht sein Ding auch hier mehr oder weniger Eins zu Eins durchzuziehen, was wohl zum Scheitern verurteilt sein könnte - es ist wohl nicht einfach Kunden für einen neuen Supermarkt zu begeistern, wenn dieser Supermarkt der einzige Supermarkt in den ganzen USA ist, in dem man nicht mit Kreditkarte bezahlen kann und in dem man aber für seine Tüten bezahlen und für den Einkaufswagen eine Münze verwenden muss... Anyway, auf jeden Fall sind die Öffnungszeiten hier ja nachhaltig großzügiger als bei uns und so konnten wir unseren Weihnachtsessen-Einkauf halt nach 23 Uhr relativ entspannt beim Wal-Mart vervollständigen... Ja, und so hat Stephie uns dann am 24. und 25.12 ganz traditionell amerikanisch Turkey mit Mashed Potatoes und Vegetables zubereitet und später haben wir am Kamin unseren Eggnog genossen... War vielleicht ein wenig schrill bei fast 30 Grad Tagestemperatur abends tatsächlich den Kamin anzufeuern, aber es war halt so schön stimmungsvoll und weihnachtlich... Auch ansonsten haben wir den Hauptweihnachtstag (hier ja der 25.12) typisch amerikanisch verbracht - mit Sport und Kino... Der 26.12 ist hier in Amerika dann ja schon kein Feiertag mehr - außer für Shopping-Fans! Denn am 26.12 machen die ersten Geschäfte schon um 5.30 Uhr in der Nacht auf - für den großen After-Christmas-Sale... Auch wir haben uns extra den Wecker gestellt und standen zumindest um Punkt 7 Uhr morgens vor der ersten Einkaufs-Mall! Von 7 bis 15 Uhr haben wir an diesem Tag nichts anderes gemacht als von einem Shop in den nächsten zu gehen. Obwohl "gehen" irgendwann nicht mehr die passende Umschreibung war - irgendwann schwamm man nur noch so gut es eben ging mit der Masse mit... Der Ansturm war ab dem späteren Vormittag so groß, dass die Polizei zeitweise die Zufahrten zu den Malls als letzte Möglichkeit einfach absperrte... Und so war der 26.12 ein verdammt anstrengender Tag, aber auch ein Tag voller phantastischer Schnäppchen! An dieser Stelle deshalb vielleicht einfach mal ein liebes Dankeschön an unsere Verwandten für die vielen Geldgeschenke zu unseren Geburtstagen und zu Weihnachten! Diese Art Geschenk war in diesem Jahr einfach goldrichtig für uns und wurde hier dann sozusagen auch gleich vergoldet - in wunderbar kleidsame und günstige Kleidung! Wer jetzt angesichts der Fotos an Maßlosigkeit denkt, dem können wir relativierend sagen, dass volle Tüten hier wenigstens nicht gleichzeitig leere Geldbörsen bedeuten! Um nur mal ein kleines Beispiel zu nennen: Anfang 2008 habe ich für eine Tommy Hilfiger-Jeans einen 100-Euro-Gutschein (gewonnen in einem Online-Adventskalender-Spiel) einsetzen müssen. Hier kostete eine eben solche Tommy Hilfiger-Jeans im After-Christmas-Sale sage und schreibe 20 Dollar - umgerechnet also 14 anstatt 100 Euro! Oder anders formuliert: ich hätte hier 7 Markenjeans zum Preis von einer in Deutschland kaufen können! So hat die Schnäppchenjagd natürlich schlussendlich Spaß gemacht, aber die extrem überfüllten Straßen und Geschäfte haben auch viel Nerven und Kraft gekostet... Und so waren wir nach diesem Tag erst einmal vor allem eines - nämlich... - genau - müde... Von Menschenmassen und Staus hatten wir nach dem 26.12 auf jeden erst einmal die Nase voll und deshalb haben wir uns an den Folgetagen bemüht im rummeligen Orlando kleine Oasen der Ruhe zu finden, was einem auch wunderbar gelingen kann... Zum Beispiel direkt in Downtown am Lake Eola... Oder im Blue Spring State Park, wo man wunderbar spazieren und Manatees (die vom Aussterben bedrohten Florida Seekühe) in freier Wildbahn beobachten kann... Oder im Wekiwa Springs State Park, wo man in einem Quellbecken schwimmen und stundenlang mit dem Kanu durch eine fast dschungelhafte Wildnis fahren kann... Wir haben uns hier ein Zweier-Kajak gemietet und nach einer Weile in der Wildnis in unserer Nussschale entfuhr Stephie mit einem klitzekleinen Anflug von Besorgnis der Satz: "Hm, hier wird es schon wirklich Alligatoren geben, oder!?" Tja, und wie es dann ja oft so ist - kaum war es ausgesprochen, da lag am Ufer, kaum zwei Meter weg von uns, auch schon wieder ein Alligator! Immer wieder ein spannender, kribbeliger Moment... Gerne hätten wir an dieser Stelle auch von diesem Alligatoren ein Bild gezeigt, aber leider hatte der Fotoapparat kurz zuvor feuchtigkeitsbedingt (nein, nein - keine Feuchtigkeit in Form von Regen - das kennen wir hier quasi gar nicht - vielmehr habe ich den Fotoapparat auf den Boden des Kajak fallen lassen und der war ziemlich nass...) mehr oder weniger den Geist aufgegeben - er machte nur noch Fotos folgender Qualität, bzw. gar keine mehr... Und zum Abschluss des Orlando-Abschnitts haben wir zur Abwechslung auch noch einen "Don't do it"-Tipp! Jeder Reiseführer schwärmt von Saint Augustine - der gut 2 Stunden nordöstlich von Orlando gelegenen ältesten Stadt der USA... Wir sind am 28.12 dort gewesen und können uns dieser Reiseführer-Empfehlung absolut nicht anschließen! Zwei Querverweise decken unsere Eindrücke in Sachen Saint Augustine vielleicht am Besten aus: a) Saint Augustine ist so eine Art "Key West für Arme"! Relativ krampfhaft versucht man im Old Town-Quartier von Saint Augustine den Flair von Key West nachzuahmen, aber leider ohne jeglichen Anflug von Key West-Charme, dafür aber mit drastisch mehr billigem Touristen-Rummel und scheinbar völlig frei von Einheimischen. So viele blöde Touristen-Bimmel-Bahnen auf einen Haufen hat man noch nie gesehen - und alle zum Bersten voll mit Touristen... b) Saint Augustine ist "Titisee Hoch Zehn" - am Titisee sind der See an sich und die Natur um den See herum wunderschön, aber die billige Touristenmeile auf dem Weg zum See ist tödlich. Na ja, und in Saint Augustine ist es genau so - der Strand dort ist großartig, aber der Touristennepp um die paar wirklich alten Häuser herum ist fürchterlich - wie am Titisee, nur mindestens zehnmal so groß... Alles in allem haben wir auf jeden Fall auch die Woche in Orlando sehr genossen und um den Bogen zum Anfang dieses Abschnittes zu schlagen: die Traurigkeit wird größer und größer - wenn wir jetzt Orlando in Richtung Tampa/St. Petersburg und schließlich Sanibel Island verlassen, dann heißt das leider auch: drei von vier Wochen sind vorbei, schnief... Aber bis dahin bleiben wir in exakt dieser guten Stimmung: Ja, und Neues von uns zu lesen und zu sehen gibt es dann noch einmal am 3.1 und am 7.1...

29.12.08 23:17

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen